RAID 6
RAID 6 ist auf eine beispiellose Datensicherheit und Redundanz durch gleich zwei zusätzliche
Festplatten ausgelegt. Das erhöht zwar die Ausfallsicherheit, doch gleichzeitig leiden darunter die Anschaffungskosten. Immerhin dürfen dafür sogar bis zu zwei Festplatten ausfallen, bevor die Daten wirklich durch einen weiteren Festplattenausfall in Bedrängnis geraten. RAID 6 kann somit als
RAID 5 mit zusätzlichen Sicherheitsfeatures angesehen werden. Das Haupteinsatzgebiet besteht in Großrechnern und Servern größerer Unternehmen und anderen Organisationen mit einem extremen Datenaufkommen.
Wie funktioniert RAID 6?
RAID 6 entspricht von seinem Aufbau her im weitesten Sinne RAID 5. Auch hier wird die Performance durch Striping gesteigert, außerdem werden Paritätsinformationen auf alle Festplatten verteilt. Dies ersetzt das Modell früherer RAID-Systeme, bei denen die Paritätsinformationen für Sicherheitsprüfungen nur auf eine einzige
Festplatte geschrieben wurden. Somit entfällt die Notwendigkeit einer ansonsten nutzlosen Paritätsfestplatte.
Nach oben hin sind einem RAID-6-Verbund theoretisch keine Grenzen gesetzt, mindestens müssen jedoch vier Festplatten zum Einsatz kommen. Ein Novum gegenüber RAID 5 ist außerdem die doppelte Verteilung von Paritätsinformationen. Anstelle einer einzigen Absicherung werden alle Informationen zwei Mal verteilt auf alle Festplatten geschrieben. Dies soll der Datensicherheit zugutekommen. Ein RAID-6-System kann zusammenfassend also als Hochsicherheitsvariante von RAID 5 beschrieben werden, wenngleich die tatsächlichen Unterschiede natürlich noch etwa feinstufiger ausfallen.
Vorteile von RAID 6
Beim Festplattenmodell von RAID 5 darf maximal eine Festplatte ausfallen – danach wird es kritisch, denn weitere Ausfälle vernichten Daten oder Paritätsinformationen oder beides. RAID 6, das auch den passenden Beinamen Advanced Data Guarding trägt, kann auch dem Ausfall von bis zu zwei Festplatten widerstehen. Ein Datenverlust kommt dabei nicht zustande. Das ist insbesondere dann von Vorteil, wenn eine große Menge Festplatten mit einer sehr hohen Gesamtkapazität verwendet werden, welche jedoch gegen Ausfälle bestens geschützt sein müssen.
Außerdem kann RAID 6 auf unterschiedliche Weise implementiert werden. Darunter gibt es etwa die erwähnte Funktionsweise, aber auch andere Varianten erfreuen sich einer gewissen Beliebtheit. So gibt es etwa die Möglichkeit, einen Zusatzcode anstelle von Paritätsinformationen mit den Daten zu übermitteln, der unter Umständen auftretende Fehler auf kleinster Ebene selbstständig korrigieren kann. Zusätzlich ist der Wegfall einer dedizierten Paritätsfestplatte ein großer Pluspunkt gegenüber beispielsweise RAID 3 und
RAID 4. Indem die Daten auf alle Festplatten verteilt geschrieben werden, entfällt der Flaschenhals, der durch eine gesonderte Festplatte ansonsten entstehen würde. Insgesamt lässt sich also festhalten, dass RAID 6 eines der sichersten RAID-Systeme überhaupt ist, das heute in vielen unterschiedlichen Unternehmen genutzt wird.
Nachteile von RAID 6
RAID 6 ist beim Versuch der Wiederherstellung der Redundanz relativ langsam, wenn ein System mit sehr vielen Festplatten betroffen ist. Der Prozess des Angleichens der Paritätsinformationen kann unter Umständen mehrere Tage dauern. Außerdem ist RAID 6 eine recht teure Lösung. Der zusätzliche Aufwand mehrerer Festplatten gegenüber RAID 5 sorgt insbesondere bei kleineren Unternehmen schnell zum Griff zum günstigeren Vorgänger. Das unterstreicht noch einmal die kompromisslos auf Sicherheit ausgerichteten Ansprüche, die RAID 6 erfüllen soll.
Es gilt darüber hinaus zu beachten, dass RAID 6 in allen Formen und Implementierungen niemals schneller oder auf demselben Niveau arbeitet wie RAID 5. Schreiboperationen laufen ebenso wie Leseoperationen grundsätzlich langsamer ab, da durch die doppelten verteilten Paritätsinformationen eine Festplatte weniger zur reinen Nutzung zur Verfügung steht. Auch das Bestehen auf mindestens vier Festplatten ist gegenüber RAID 5 ein Rückschritt, wenngleich dieser Punkt praktisch nicht anders zu realisieren ist.
Anwendungsbeispiele für RAID 6
In Privathaushalten ist an den Einsatz eines RAID-6-Systems nicht zu denken, da die Kosten für die Anschaffung und den Betrieb viel zu hoch liegen und der Performancegewinn durch
RAID 0 oder RAID 10 deutlich höher ist – und die Sicherheit sollte in dieser Umgebung eine eher untergeordnete Rolle spielen. In Unternehmen hingegen wird RAID 6 durchaus genutzt, wenn die Kosten keine Rolle spielen. Gegenüber RAID 5 müssen mehr Festplatten und eine höhere Rechenleistung insgesamt bereitgestellt werden. Als Ausgleich wird eine nochmals erhöhte Sicherheit durch doppelte Paritätschecks geboten, was Unternehmen überall dort gefallen dürfte, wo ein Datenverlust einen enormen finanziellen Verlust bedeuten würde. RAID 6 wird daher vornehmlich in Großrechnern oder Serverräumen eingesetzt. Es gilt derzeit als eines der sichersten RAID-Systeme, wenngleich die Performance unter diesem Sicherheitsanspruch gegenüber RAID 5 merklich leidet. Falls die Geschwindigkeit jedoch nur eine untergeordnete Rolle spielt, wie es bei den meisten Unternehmen der Fall ist, ist RAID 6 ein gerngesehener Gast.
Fazit
RAID 6 ist für Privatpersonen so gut wie undenkbar. Die Anschaffungskosten liegen in einem einfach zu hohen Bereich, der praktische Nutzen ist gegenüber ähnlichen RAID-Lösungen nicht vorhanden. In einem Unternehmen hingegen, das auf maximale Datensicherheit und ein beinahe unzerstörbares RAID-System angewiesen ist, kann RAID 6 durchaus punkten. Auch die hohen Kosten sollten hier zu vernachlässigen sein. Wer nicht weiß, ob RAID 6 für das eigene Unternehmen sinnvoll ist oder nicht, darf sich auch gerne an erfahrene Dienstleister aus der IT-Branche wenden. Diese stellen schnell fest, welches Unternehmen von RAID 6 profitiert – und welches eben nicht.