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FidoNet Definition & Begriffserklärung

FidoNetBevor das Internet seinen Siegeszug antrat, waren viele Computer über ein Mailboxnetz weltweit miteinander verbunden. Eines der bekanntesten Netze in der Mitte der 80er bis 90er Jahren war das FidoNet. Über dieses Netzwerk wurden Informationen mit anderen Programmierern ausgetauscht. Ebenfalls fand auch ein Programmaustausch per Datenfernübertragung statt. Sogar die ersten Auftragsarbeiten an angeschlossene Programmierer erfolgten von beteiligten Firmen hierüber. Auch wenn das Internet dieses Netzwerk fast verdrängt hat, gibt es immer noch etliche tausend Nutzer, die sich am FidoNet beteiligen. Es ist überschaubarer und sicherer als das Internet.

FidoNet Geschichte

Das FidoNet wurde in einer Zeit entwickelt, als eine Datenfernübertragung im privaten Bereich zwischen zwei Rechnern nur durch direkte Anwahl über ein Telefonmodem möglich war. Zu jener Zeit bestand noch das Monopol der Deutschen Bundespost. Sämtliche Verbindungen gingen direkt über die Telefonleitung. Das schnellere Datex-P-System mit höherer Übertragungsgeschwindigkeit konnten sich seinerzeit nur Unternehmen leisten. Ferngespräche waren sehr teuer und so wurde nach preisgünstigen Lösungen gesucht, um Dateien und Mails auf möglichst kurzen Verbindungen schnell und effizient zu verteilen.

1984 wurde von Tom Jennings das FidoNet in den USA entwickelt. Dabei stand sein Hund Fido Pate für den Namen des Netzwerkes. Von der Struktur her sollte das Netz regional-hierarchisch organisiert sein. Der übergeordnete Server, der sogenannte Uplink sollt sich zweckmäßigerweise in unmittelbarer Nähe zum angeschlossenen System, dem Node befinden. Ideal wäre derselbe Gültigkeitsbereich des Telefonortstarifes. Zwecks Kostendeckung verlangten einige Betreiber von Uplinks Gebühren von ihren angeschlossenen Nodes. Unter einem Node versteht man ein angeschlossenes Computersystem eines Nutzers mit einer eindeutigen Adresse.

Die Gebührenerhebung führte dazu, dass sich die Nodes auch Uplinks suchten, die sich außerhalb des Ortsbereiches befanden. Innerhalb der Netzstruktur bildeten sich jedoch wiederum Bewegungen, die versuchten, ihre Mitglieder in eine regionale Struktur zu bringen. Die Netzkoordinatoren waren bestrebt, möglichst viele Nodelistkeeper auf ihre Seite zu bekommen. Eine Nodeliste enthält alle Adressen der angeschlossenen Computersysteme.

Im Jahr 1993 kam es zur Spaltung des FidoNetzes. Ein Teil der sogenannten Nodelist 176 bildete das Fido-Lite-Netz, während die übrigen Nodes im Fido-Classic-Netz geführt wurden. Um eine gemeinsame Kommunikation zu gewährleisten, mussten alle Systeme fortan beide Nodelists aufführen. Bis 1990 erreichte das FidoNet seine größte Mitgliederzahl. Hierbei waren weit über 30.000 Nodelists weltweit vertreten.

Funktionsweise des FidoNet

Alle angeschlossenen Systeme verwenden ein einheitliches Datenformat, ein eigenes Datenübertragungsprotokoll, sowie eine spezielle Software. Im FidoNet ist es möglich, sogenannte Netmails zu versenden. Diese sind den heutigen Emails sehr ähnlich und richten sich nur an bestimmte Adressaten. Echomails sind dagegen öffentliche Nachrichten, die vergleichbar mit der Konzeption des heutigen Usenet sind. Die Datenübertragung erfolgt im FidoNet asynchron. Das Netzwerk ist dabei sternförmig aufgebaut, wobei jeder Node seine Netmails an das jeweils nächsthöhere System weiterleitet. Lediglich die Netmails werden direkt an den Adressaten als sogenannte Crashmail versandt.

Das FidoNet ist in 6 Zonen eingeteilt: Zone 1 für Nordamerika, Zone 2 für Europa, Zone 3 für Ozeanien, Zone 4 für Lateinamerika, Zone 5 für Afrika und Zone 6 für Asien. Deutschland gehört zur Zone 2 und zur Region 24 und bildete seinerzeit mit 8 Prozent Nodes eine der größten Regionen in Westeuropa. Sehr förderlich für das FidoNet war die Entwicklung der ISDN-Verbindungen. Mit diesem Verfahren konnten wesentlich mehr Nachrichten und Dateien mit einem deutlichen Geschwindigkeitsvorteil versandt werden. Schließlich konnte eine ISDN-Verbindung schon nach 1 Sekunde aufgebaut werden, wohingegen die analoge Verbindung erst nach 20 Sekunden initialisiert war.

Durch die höhere Datentransferrate wurden die Fileechos sehr beliebt. Mit ihnen konnte Free- und Shareware, Textdateien, aber auch schon die ersten Raubkopien über das Netz verteilt werden. Es bildeten sich thematisch abgegrenzte Bereiche für Fileechos, so dass der Anwender beispielsweise zwischen Betriebssystemen, Texten oder Spieleprogrammen auswählen konnte.

Erstaunlich ist auch die Geschwindigkeit des FidoNetzes für damalige Verhältnisse. Es ist ein Netzwerk, welches von privaten Anwendern aufgebaut wurde, zu dem jeder einen kleinen Beitrag leistete. Eine Netmail aus den USA nach Deutschland dauerte selten länger als 2 Tage.

Unterschied zum Internet

Die Echomails richteten sich an viele Nodes und wurden daher als öffentlich bezeichnet. Sie sind vergleichbar mit den heutigen Newsgroups des Usenet. Echos haben alle einen Moderator, der die Kommunikationsregeln überwacht und die Beiträge auch zum jeweiligen Thema passen. In der Regel wird der Moderator von den Teilnehmern gewählt. Bei argen Verstößen kann ein Node auch vom FidoNet ausgeschlossen werden. Im Gegensatz zum Usenet kann eine abgesandte Echomail nicht mehr zurückgerufen werden.

Im Vergleich zum Internet und zum Usenet ist das FidoNet wesentlich privater. In Internet werden viele Nutzer mit Spams überhäuft. Ebenso schreiben viele Anwender unter einem Pseudonym, was schließlich zur Verschleierung führt. Das FidoNet ist dagegen fast spamfrei und erfreut sich einer viel angenehmeren Atmosphäre. Darüber wird auch jeder Node eindeutig identifiziert, da er bei der Anmeldung sich direkt an den SysOp, also den Betreiber wenden muss. Heute ist das FidoNet so ziemlich in Vergessenheit geraten. Nur noch wenige Anwender nutzen diese Plattform.

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